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hahnkultur

Andreas Hahn: Künstler / Artist

la vida es bella



~Die Insel als Galerie (Notizen)

La Palma 2008 – 2009

Der Insel Gesicht ist vielseitig. Grob eingeteilt besteht sie aus drei Teilen: 

Der karge und weitgehend  schwarze, heisse südliche Teil, dessen eine Seite die erloschenen Vulkankrater, Geröll und Sand bestimmen. Auf der anderen Seite erstreckt sich der tiefblaue Ozean in unendliche Weiten.

Der grüne und fruchtbare Norden zeigt sich durch seine rötlich- braune Erde, wo neben zahlreichen Mandelbäumen ebenfalls Urwälder zu finden sind; wo grosse Farngewächse, Eichen- und Lorbeerwälder das zerklüftete Land bewachsen.

Die Mitte zeigt sich mit einem ausgewogenerem Gesicht – nicht von ungefähr finden sich hier viele Dörfer und kleine Städte mit ihrem reichen und bunten Blumenanpflanzungen. Die ausgewogene ästhetische Architektur besticht durch ihre in sich abgestimmten Farbgebungen.

Das Leben dort gestaltet sich gemächlich – und ist durchweht von reichem Gemüt, was ihre Bewohner anbelangt.

Drei gänzlich verschiedene Antriebsfedern führten dazu, die Insel zur Galerie zu erklären:

Ihre Farbenvielfalt als auch auch das polare Grün Schwarz inspirierte dazu, die eigenen Farbkompositionen in ein Verhältnis mit dieser Umgebung setzen zu wollen.

Zweitens der in dem Gedankenkapitel beschriebene Ausbruch aus der Zweidimensionalität der Bildfläche, des Rechtecks und die Auswahl verschiedenster Arbeitsmaterialien. Sie in ungebunden und in spielerischer Freiheit in ausgewählte unterschiedlichste Verhältnisse zu setzen, war ein bereichernder- ja beglückender Akt, der stets eingehüllt wurde, durch den gewaltigen Ozean und den weiten blauen Himmel- 

Drittens erreichte mich ein Gerücht: Dass ein Autobahnvorhaben anhand eines reich- fliessenden Geldsegen seitens der EU geplant wurde.

Letzteres Vorhaben erschien nicht nur mir ein in keinem Verhältnis stehendes Vorhaben zu sein. Es veranlasste mich, meine fotografischen Dokumentationen von den Installationen zu vervielfältigen und zu veräussern. Mit dem Erlös wurde ein Fond geschaffen, rechtlichen Beistand zu ermöglichen.

Licht – Wärme und der vielfältige, ästhetische Raum ermöglichten, neue und unbekannte Wege zu finden und zu begehen.

Die Sache mit der Kloschüssel, oder
die Möglichkeit einer erweiterten Alltagsmeditation

Einer Toilettenschüssel wird ein oberflächlicher Bewusstseinsmoment von seinem Benutzer erst dann zuteil, wenn sein dringendes „menschliches Bedürfnis“ überhand- nimmt – oder ihr hygienischer Zustand seinen Geruchssinn auf unangenehme Weise attackiert. Nach vollendeter Sitzung verlässt er diesen engen Raum gedankenlos  – erleichtert, und verschließt die Türe mit aller Sorgfalt. 

Der hektische Alltag in dieser schnelllebigen Zeit verhindert es, diesem kostbaren, überlebenswichtigen Objekt – geschweige denn seinem Erfinder – zu danken. Gewohnheit und Selbstverständnis lassen eine erweiterte, vertiefte Betrachtung dieses stillen Ortes keinerlei Raum. 

Wird er ihrer Ästhetik auch gewahr, und außerdem des kostbaren Nasses welches literweise – mehrmals täglich – durch dieses unbeachtete Gefäß rinnen? Erweckt sowohl der Gegenstand als auch sein Zweck ein Gefühls – oder Gedankenanstoßes in eine mögliche Richtung: das beispielsweise eine Mehrzahl unserer Schwestern und Brüder, mit denen wir diesen schönen, blauen Planeten teilen, nur aus Pfützen trinken? Bedeutet diese Selbstverständlichkeit zudem, dass wir mit dieser unbewussten Nutzung die Klimafrage in die Hände von eitlen Funktionären und einer kalten, unberechenbaren künstlichen Intelligenzen übergeben wollen? 

Nun denn: Wir nehmen diesen täglich benutzten Zweckgegenstand aus seiner gewohnten, räumlich beschränkten Gefangenschaft heraus – befreien ihn aus seiner Verbannung – versehen ihn mit einer schützenden Hülle und Farbe und platzieren ihn in eine neue, vollkommen ungewohnte Umgebung – sagen wir, in eine zauberhafte Landschaft. 

Schlagartig wird unsere Seh- und Wahrnehmungsgewohnheit irritiert, ja provoziert; möglicherweise kämpfen Antipathie Gefühle und daraus resultierenden Gedanken in uns, was denn ein Klo dort überhaupt zu suchen habe. Kurz: unsere Toleranzgrenze wird auf das Äußerste strapaziert – wir qualifizieren es vielleicht als unsinnige Spielerei, anstatt dieser unbekannten Situation unbefangen und offen entgegen zu treten. 

All das oben beschriebene fand tatsächlich statt, als der künstlerisch Suchende zwischen den Jahren 2000 und 2009 auf San Miguel de la Palma lebte, und diesen Erdenfleck im weiten Ozean, seine Menschen und seine Natur so sehr zu lieben und achten lernte, dass er nach eingehender Gewissensprüfung diese grüne Insel als Galerieraum deklarierte und ihre Schönheit dadurch vertieft wahrzunehmen lernte.

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